HelloSafe-Studie Mai 2026

Deutschland verliert 107 Millionen Euro pro Jahr durch grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

107 Millionen Euro. Das ist der Betrag, den die deutschen Krankenkassen jährlich mehr an ihre europäischen Partner zahlen als sie einnehmen. Mit 336 Millionen Euro Bruttoauszahlungen ist Deutschland der größte Beitragszahler des gesamten EHIC-Systems. Ich habe den aktuellen offiziellen Bericht der Europäischen Kommission ausgewertet, um die Mechanismen dieses Defizits zu verstehen und warum es sich seit 2021 jedes Jahr verschlechtert.

PrimärquelleEuropäische Kommission · GD EMPL
Umfang32 Staaten (EU-27 + EWR + UK)
Jahr2025
Überblick

Die EHIC: 1,5 Milliarden Euro, die niemand sieht

Die EHIC (Europäische Krankenversicherungskarte) deckt unvorhergesehene medizinische Behandlungen während eines vorübergehenden Aufenthalts in einem anderen EU-Land ab. Auf dem Papier ist es ein universelles Recht. In der Praxis ist es ein Markt von 1,5 Milliarden Euro zwischen den Sozialversicherungssystemen, mit dauerhaften Gewinnern und Verlierern. Deutschland gehört zu den Letzteren.

291 M
EHIC-Karten im Umlauf 2025 in den 32 erfassten Staaten (EU + EWR + UK)
1,5 Mrd. €
2025 zwischen den europäischen Sozialversicherungen erstattet
2,6 M
Erstattungsanträge zwischen Staaten bearbeitet im Jahr 2025
48 %
der Europäer haben eine EHIC. Jeder zweite Reisende fährt ohne Absicherung ab.
Analyse

Warum Deutschland trotz 100 % EHIC-Abdeckung 107 Mio. € verliert: drei strukturelle Faktoren

Das deutsche Defizit ist kein Zufall. Es folgt aus drei strukturellen Ungleichgewichten, die sich gegenseitig verstärken. Die touristische Erholung nach der Pandemie hat verschärft, was bereits vorher bestand.

Faktor 1

Asymmetrische Tourismusströme

Die Deutschen reisen massiv nach Österreich, Spanien, Kroatien und Italien, alles Länder, die im EHIC-System Nettobegünstigte sind. Deutschland hingegen zieht vor allem Geschäftsreisende an, keine erholungsuchenden Touristen mit hohem Gesundheitsbedarf. Das direkte Ergebnis: Deutschland bezahlt 690 000 Anträge im Ausland, behandelt aber nur 277 000 ausländische Patienten im Inland.

Faktor 2

Vollständige Abdeckung erhöht das Volumen

In Deutschland ist die EHIC automatisch in die elektronische Gesundheitskarte (eGK) integriert. Kein Antrag, kein Aufwand: Abdeckungsrate 100 %. Was als Vorteil erscheint, hat eine Kehrseite. Mit 74 Millionen aktiven Karten stellt Deutschland mehr EHIC-Anträge im Ausland als jedes andere Land. Frankreich hat mit 24 % Abdeckung deutlich weniger Karten im Umlauf, und dennoch ein höheres Nettoverlust.

Faktor 3

Hohe Auslandskosten, gemäßigte Inlandstarife

Österreichische Kliniken berechnen im Schnitt 659 € pro Fall, die Niederlande 904 €, das Vereinigte Königreich 1 004 €. Deutschland erstattet zum tatsächlichen Ortstarif: günstig pro Einheit in Spanien (ca. 400 €), teuer in Österreich und den Niederlanden. Bei 690 000 Anträgen summiert sich selbst ein moderater Differenzbetrag rasch zu einem dreistelligen Millionenbetrag.

HelloSafe-Analyse

Ein Defizit, das bis 2030 weiter wachsen wird

Drei strukturelle Trends werden die Rechnung bis 2030 erhöhen. Die Bevölkerungsalterung führt zu längeren Aufenthalten mit aufwendigen Behandlungen (Kardiologie, Orthopädie). Die Abwanderung von Rentnern nach Portugal, Spanien und Kroatien beschleunigt sich. Und die europäischen Krankenhaustarife steigen mechanisch weiter. Auf dieser Basis könnte das Defizit bis 2030 auf über −130 Mio. € anwachsen.

−130 Mio. €
HelloSafe-Prognose
Defizit Deutschland 2030
Historische Entwicklung

2021: das Jahr, in dem sich Deutschlands Defizit verfünffachte

2017 betrug das Nettosaldo Deutschlands −7 Mio. €, ein fast ausgeglichener Saldo. Im Jahr 2020 lag er noch bei −10 Mio. €. Dann kam 2021. Das Defizit sprang in einem einzigen Jahr auf −76 Mio. €. Kein vorübergehender Ausreißer. Eine strukturelle Zäsur.

2017–2020
−11 Mio. €/Jahr
Durchschnittliches Defizit in der Periode. Fast ausgeglichen. Deutschland zahlte etwas mehr als es einnahm, aber der Saldo blieb beherrschbar.
2021: der Wendepunkt
−76 Mio. €
Das Defizit hat sich in einem Jahr fast verfünffacht. Die touristische Erholung nach der Pandemie hat die Ausgaben in die Höhe getrieben, während die Einnahmen nur schrittweise stiegen.
2025
−107 Mio. €
Das Defizit wächst weiter. Ohne eine Reform der Kartenausgabe oder der Tarifpolitik gibt es keinen Grund zur Trendwende.
Analyse

Warum 2021 alles verändert hat: drei Mechanismen, die sich gegenseitig verstärken

Der Wendepunkt 2021 ist keine buchhalterische Anomalie. Er spiegelt eine dauerhafte Neuordnung der innereuropäischen Tourismusströme wider, verstärkt durch das demografische Profil der deutschen Reisenden. Diese drei Mechanismen kumulieren sich.

1

Asymmetrische touristische Erholung

Ab 2021 reisten die Deutschen wieder massiv nach Österreich, Spanien, Kroatien und Italien. Diese Länder sind allesamt Nettobegünstigte des EHIC-Systems. Gleichzeitig verlor Deutschland mit dem Brexit einen Teil der britischen Einreiseströme nicht, aber Frankreich verlor sie in vollem Umfang. Die Ausgaben explodierten auf beiden Seiten, die Einnahmen erholten sich langsamer.

2

Europäische Krankenhauspreisinflation

Nach der Pandemie stiegen die Krankenhaustarife in Österreich, Spanien und Italien stark an, bedingt durch Energie, Löhne und Geräteaustausch. Deutschland erstattet zum tatsächlichen Ortstarif: Bei gleichem Volumen steigt die Rechnung mechanisch. Im Zeitraum 2020 bis 2023 stieg der harmonisierte Gesundheitspreisindex im Euro-Raum laut Eurostat um 12 %.

3

Alterungseffekt bei Reisenden

Die Altersgruppe, die in Europa am meisten reist, ist heute die der 60- bis 75-Jährigen. Sie sind auch die größten Konsumenten intensiver medizinischer Leistungen: Kardiologie, Orthopädie, postoperative Versorgung. Jeder im Ausland behandelte deutsche Fall kostet die Krankenkasse im Schnitt 560 €, gegenüber 712 € für einen französischen Fall und 1 004 € für einen britischen.

560 €
Durchschnittliche Kosten eines Erstattungsantrags für im Ausland erhaltene unvorhergesehene medizinische Versorgung im Jahr 2025. Bei einem Krankenhausaufenthalt oder einer Notfalloperation kann die Rechnung auf 3 000 bis 8 500 € steigen, je nach Land und Art der Behandlung.
Ranking 1 — Die Zahlerländer

Die 5 Länder, die am meisten für die Gesundheitsversorgung ihrer Bürger im Ausland zahlen

Wenn ein deutscher Versicherter in Spanien ins Krankenhaus eingeliefert wird, begleicht die deutsche Krankenkasse die Rechnung über das Formular E125 (das zwischenstaatliche Erstattungsformular). Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich zusammen decken 82 % der gesamten Auszahlungen der EU-27 ab.

Zahlerland
Erstatteter Betrag 2025
1
🇩🇪
Deutschland690 000 Anträge jährlich
336 Mio. €560 € pro Antrag
2
🇬🇧
Vereinigtes Königreich365 000 Anträge jährlich
319 Mio. €1 004 € pro Antrag
3
🇫🇷
Frankreich470 000 Anträge jährlich
291 Mio. €712 € pro Antrag
4
🇳🇱
Niederlande123 000 Anträge jährlich
97 Mio. €904 € pro Antrag
5
🇵🇱
Polen89 000 Anträge jährlich
83 Mio. €1 070 € pro Antrag
Ranking 2 — Die Empfängerländer

Die 5 Länder, die als Krankenhaus Europas fungieren

Manche Länder behandeln europäische Bürger in großem Maßstab und erhalten das Geld zurückerstattet. Spanien bearbeitet 454 000 ausländische Fälle pro Jahr. Österreich, mit kaum einem Drittel des Volumens, stellt fast denselben Betrag in Rechnung, dank höherer Krankenhaustarife.

Behandlungsland
Fakturierter Betrag 2025
1
🇩🇪
Deutschland277 000 ausländische Patientenfälle
229 Mio. €
2
🇪🇸
Spanien454 000 Fälle — europäischer Volumenrekord
182 Mio. €
3
🇫🇷
Frankreich65 000 ausländische Patientenfälle
173 Mio. €
4
🇦🇹
Österreich258 000 Fälle — alpines Gesundheitszentrum
170 Mio. €
5
🇧🇪
Belgien374 000 Fälle
107 Mio. €
Gesundheitsmigrationssaldo

Gewinner und Verlierer: das buchhalterische Urteil des europäischen Systems

Für jedes Land ergibt sich der Nettosaldo wie folgt: eingenommene Beträge von anderen Staaten abzüglich gezahlter Beträge für die eigenen Versicherten. Das Ergebnis zeichnet einen stabilen geografischen Riss: Mittelmeer- und Alpenländer kassieren, die großen touristischen Ursprungsländer (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Deutschland) finanzieren.

🏆 Die Gewinner

Positive Salden 2025

Land Eingenommen Gezahlt Saldo
🇦🇹Österreich 170 Mio. € 30 Mio. € +140 Mio. €
🇪🇸Spanien 182 Mio. € 47 Mio. € +135 Mio. €
🇧🇪Belgien* 107 Mio. € 43 Mio. € +63 Mio. €
🇬🇷Griechenland 37 Mio. € 7 Mio. € +29 Mio. €
🇸🇪Schweden 30 Mio. € 10 Mio. € +20 Mio. €
🇭🇷Kroatien 30 Mio. € 13 Mio. € +16 Mio. €
🇨🇿Tschechien 30 Mio. € 28 Mio. € +2 Mio. €
📉 Die Verlierer

Negative Salden 2025

Land Eingenommen Gezahlt Saldo
🇬🇧Vereinigtes Königreich** 26 Mio. € 319 Mio. € −293 Mio. €
🇫🇷Frankreich 173 Mio. € 291 Mio. € −118 Mio. €
🇩🇪Deutschland 229 Mio. € 336 Mio. € −107 Mio. €
🇵🇱Polen 53 Mio. € 83 Mio. € −29 Mio. €
🇷🇴Rumänien 2 Mio. € 27 Mio. € −25 Mio. €
🇧🇬Bulgarien 10 Mio. € 27 Mio. € −17 Mio. €
🇱🇹Litauen 2 Mio. € 17 Mio. € −15 Mio. €
🇸🇰Slowakei 8 Mio. € 22 Mio. € −14 Mio. €
🇳🇱Niederlande 83 Mio. € 97 Mio. € −14 Mio. €
So lesen Sie diese Tabelle. Ein positiver Saldo bedeutet, dass das Land mehr eingenommen als gezahlt hat: Es behandelt mehr Ausländer als es ins Ausland schickt. Der Gesundheitsmigrationssaldo misst die Position eines Landes im europäischen Gesundheitssystem: Netto-Patientenexporteur (Nettozahler), -importeur (Nettobegünstigter) oder ausgeglichen.

Italien, Schweiz und Luxemburg aus dem Ranking ausgeschlossen mangels symmetrisch übermittelter Daten für 2025.
Bilaterale Korridore

Die 6 bilateralen Korridore, die das System strukturieren

Die bilateralen Korridore spiegeln die Reisegewohnheiten wider: Briten in Frankreich, Deutsche auf österreichischen Skipisten, Franzosen in Spanien und Belgien. Zwei der sechs wichtigsten Ströme Europas betreffen Deutschland als Zahlerland. Das fasst unsere Situation treffend zusammen.

🇬🇧 Vereinigtes Königreich 🇫🇷 Frankreich
208 Mio. €
Größter Korridor Europas: 141 000 britische Fälle in Frankreich behandelt 2025, für 208 Mio. € eingenommen.
🇩🇪 Deutschland 🇦🇹 Österreich
87 Mio. €
152 000 Fälle im Zusammenhang mit Alpintourismus. Mit den Schweizer und italienischen Strömen hat Österreich ein Wirtschaftsmodell auf der Gesundheitsversorgung europäischer Skifahrer aufgebaut.
🇫🇷 Frankreich 🇧🇪 Belgien
69 Mio. €
305 000 Fälle. Der volumenstärkste Korridor Europas. Die französisch-belgische Grenze ist ein gemeinsamer Lebensraum, kein reiner Tourismusstrom.
🇩🇪 Deutschland 🇵🇱 Polen
129 000 Fälle
129 000 Fälle, gespeist durch deutsch-polnische Minderheiten, wirtschaftliche Mobilität und Tourismusströme Richtung Ostsee.
🇫🇷 Frankreich 🇵🇹 Portugal
147 000 Fälle
147 000 Fälle. Portugal nimmt einen wachsenden Anteil dort ansässiger oder länger verweilender französischer Rentner auf. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr.
🇩🇪 Deutschland 🇪🇸 Spanien
87 000 Fälle
87 000 Fälle. Spanien ist das erste Notfallbehandlungsziel für deutsche Urlauber. Die Zahl wächst mit der Alterung der Reisenden und der wachsenden deutschen Rentnergemeinde an der Costa del Sol und auf Mallorca.
Das große Gefälle

EHIC-Abdeckung: von 1,8 % bis 100 % je nach Land

Von Land zu Land schwankt die EHIC-Abdeckungsquote zwischen 1,8 % und 100 %. Es ist keine Frage des nationalen Reichtums. Es ist eine Frage des Ausstellungsverfahrens: automatisch (in die nationale Gesundheitskarte integriert) oder auf ausdrücklichen Antrag, wie in Frankreich.

✅ Die am besten Geschützten

  • 🇱🇮Liechtenstein100 %
  • 🇩🇪Deutschland100 %
  • 🇮🇹Italien100 %
  • 🇨🇭Schweiz100 %
  • 🇨🇿Tschechische Republik95 %
  • 🇦🇹Österreich93 %

⚠️ Die am stärksten Gefährdeten

  • 🇬🇷Griechenland1,8 %
  • 🇷🇴Rumänien2,8 %
  • 🇧🇬Bulgarien5,8 %
  • 🇪🇸Spanien11,7 %
  • 🇵🇱Polen18 %
  • 🇫🇷Frankreich24 %
💡 Merke: In Deutschland ist die EHIC automatisch in die elektronische Gesundheitskarte (eGK) integriert. Jeder gesetzlich Versicherte ist abgedeckt, ohne einen Antrag stellen zu müssen. Das ist ein echter Vorteil für die Versicherten. Für das Gesamtsystem bedeutet es jedoch, dass Deutschland mehr Anträge im Ausland stellt als jedes andere Land, was das Nettosaldo belastet.
Zahlen, die aufhorchen lassen

Vier Zahlen, die eine Erklärung verdienen

+ 14 463 %
Die griechische Explosion
In einem Jahr stieg Griechenlands Fallzahl von 71 auf 10 340 Anträge, eine Vervierzehnfachung. Die Europäische Kommission führt diesen Sprung auf die Aufhebung eines Verwaltungsstaus zurück, nach mehreren Jahren fast vollständiger Lähmung des Erstattungssystems.
4 Wochen
Deutschlands Ausstellungszeit
In Deutschland kann die Ausstellung einer EHIC-Karte bis zu 4 Wochen dauern. In Kroatien beträgt dieselbe Frist 1,67 Tage. Gleiche Karte, gleiches europäisches Recht, Fristen ohne Vergleich. Für eine kurzfristig geplante Reise kann die Wartezeit zu einem echten Problem werden.
49 %
Das ungarische Rätsel
49 % der von Ungarn gestellten Anträge werden von anderen EU-Mitgliedstaaten abgelehnt. Der Anstieg spricht für sich: 4,8 % im Jahr 2020, 20 % im Jahr 2021, 35 % im Jahr 2022. Kein anderes europäisches Land nähert sich diesem Ablehnungsniveau.
773 400 €
Frankreichs Betrugsrekord
22 entdeckte Fälle in Frankreich, mit einem Gesamtschaden von 773 400 €. Das ist der höchste Betrag in Europa. Österreich entdeckt zwar 30-mal mehr Fälle (660 Fälle), übersteigt aber 357 000 € nicht. Frankreich entdeckt wenig, aber die Betrugsfälle sind groß.
Verwaltungsbesonderheiten

Die Verwaltungsunterschiede zwischen den Ländern

Von Land zu Land sind die Ausstellungsbedingungen für die EHIC alles andere als einheitlich. Gültigkeitsdauer, Bearbeitungszeit, Antragskanal: Die Unterschiede sind teils erheblich.

🏆 Gültigkeitsrekord
20 Jahre
Polen
Für polnische Rentner gilt die EHIC 20 Jahre lang. Kein anderes Land in Europa kommt auch nur annähernd an diese Frist heran. Deutschland stellt eine Karte mit einer Gültigkeitsdauer von 5 Jahren aus, bevor eine Erneuerung fällig wird.
⚡ Der Schnellste
1,67 Tage
Kroatien
1,67 Tage in Kroatien, um seine EHIC-Karte zu erhalten. In Deutschland kann dasselbe Verfahren bis zu 4 Wochen dauern. Gleiche Karte, gleiches Recht, Fristen ohne Vergleich.
📉 Vergessener Antrag
1 Jahr
Griechenland
Griechische Berufstätige erhalten eine Karte mit nur 1 Jahr Gültigkeit. In Kombination mit der niedrigsten Abdeckungsquote Europas (1,8 %) reist die große Mehrheit der Griechen ohne EHIC-Schutz.
📱 Innovation
WhatsApp
Niederlande
Die Niederlande akzeptieren EHIC-Anträge per WhatsApp, X oder Facebook. Kein anderes europäisches Land bietet dieses Maß an Zugänglichkeit. In Deutschland läuft der Antrag noch ausschließlich über die Krankenkasse, per Post oder Online-Portal.
🏥 Krankenhaus Europas
454 K
Spanien
454 000 ausländische Patientenfälle im Jahr 2025. Spanien bleibt das erste Notfallbehandlungsziel in Europa, getragen von seiner touristischen Attraktivität und der starken Präsenz von Rentnern aus dem gesamten Kontinent.
⚠️ Veraltete Karte
Nein
Kein Chip
Die EHIC enthält keinen elektronischen Chip. Sie kann nicht wie eine Versichertenkarte von Leistungserbringern ausgelesen werden. In der Praxis führt dies in allen Mitgliedstaaten zu direkten Behandlungsverweigerungen und Verwaltungsfehlern.
Fokus Deutschland

Der deutsche Fall in Zahlen

74 Millionen EHIC-Karten im Umlauf in Deutschland, bei einer Abdeckungsquote von 100 % der gesetzlich Versicherten. Das ist die höchste Quote in Europa. Kombiniert mit einem der stärksten Reiseaufkommen des Kontinents ergibt sich ein strukturelles Nettosaldo von −107 Mio. €, das sich aus zwei einfachen Zahlen zusammensetzt.

EHIC im Umlauf
74 Mio.
Karten in Deutschland 2025
Entspricht 100 % der gesetzlich Versicherten. Die Karte ist automatisch in die elektronische Gesundheitskarte (eGK) integriert. Kein Antrag nötig, was die Abdeckungsrate zum höchsten Wert in Europa macht.
Mittelabfluss
336 Mio. €
Erstattungen gezahlt 2025
Von den deutschen Krankenkassen an andere europäische Staaten gezahlter Betrag 2025, für die im Ausland erhaltenen Leistungen der deutschen Versicherten. Die durchschnittliche Rechnung pro Fall beläuft sich auf 560 €.
Einnahmen
229 Mio. €
Abrechnung mit anderen Staaten
Was Deutschland einnimmt, weil es ausländische Versicherte auf seinem Territorium behandelt hat. Die Differenz zu den gezahlten 336 Mio. € ergibt ein Nettosaldo von −107 Mio. €. Deutschland ist der 3. größte Nettozahler des Systems, nach dem Vereinigten Königreich und Frankreich.

Die EHIC deckt öffentliche Versorgung. Mehr nicht.

Privatkliniken, medizinischer Rücktransport und Selbstbeteiligungen (der Anteil der Kosten, der zu Ihren Lasten verbleibt) sind von der Karte nicht abgedeckt. Ich habe die Verträge in diesem Bereich verglichen: Eine vollständige Reiseversicherung übernimmt dort, wo die EHIC aufhört, ab 30 bis 80 € je nach Dauer und Reiseziel.

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Methodik

Quellen & Umfang

Daten
Diese Studie basiert auf den grenzüberschreitenden Erstattungsdaten der EHIC (European Health Insurance Card / Europäische Krankenversicherungskarte), die HelloSafe von der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration (GD EMPL) der Europäischen Kommission übermittelt wurden. Die Zahlen decken die Finanzströme zwischen europäischen Sozialversicherungssystemen für unvorhergesehene Leistungen bei vorübergehendem Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat ab.

Umfang
32 Staaten: 27 EU-Mitgliedstaaten + 4 EWR-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) + Vereinigtes Königreich. Italien, Schweiz und Luxemburg sind für bestimmte Indikatoren nur teilweise erfasst, da keine symmetrischen Daten übermittelt wurden.

Berechnungsmethode
• Durchschnittskosten pro Antrag: Gesamterstattungsbetrag geteilt durch die Anzahl der bearbeiteten E125-Formulare (das zwischenstaatliche Erstattungsformular).
• Nettosaldo (Gesundheitsmigrationssaldo): von anderen Staaten eingenommener Betrag abzüglich an andere Staaten gezahlter Betrag.
• Historische Entwicklung 2017–2025: von der GD EMPL über die jährlichen EHIC-Fragebögen an die Mitgliedstaaten konsolidierte Zeitreihen.

Abgedeckter Bereich und Grenzen
Diese Studie deckt ausschließlich unvorhergesehene Leistungen bei vorübergehendem Aufenthalt ab (EHIC-Rahmen, Koordinierungsverordnungen 883/2004 und 987/2009). Geplante Behandlungen im Ausland fallen unter die Richtlinie 2011/24/EU und sind nicht enthalten. Die Beträge spiegeln die Erstattungen zwischen Verwaltungen wider, nicht die Restkosten der Patienten (Selbstbeteiligungen, Überschreitungen, Privatbehandlungen, medizinischer Rücktransport).